Die Geschichte der Komödie

 

Der Auftakt: Am 26.9.1950 eröffnete Helmut Kollek sein „Theater am Roßmarkt“ als winziges Etablissement im halb ausgebombten Haus über der Buchhandlung Amelang.
War man am Abend im schütteren Licht einer im Wind an der Decke wehenden Birne in den Flur gekommen, ging man eine Treppe mit knarrenden Stufen hinauf. Immer hatte man Sorge einzubrechen. Aber man brach nicht ein, auch nicht als Theaterfreund. In diesem kleinen Theater mit 132 harten Stühlen und einem Tisch als Kasse konnte man bei der Eröffnung „Die Vergessenen“ sehen; ein düsteres Stück des ansonsten eher amüsanten Ernst Nebhut, das von dessen Freund Just Scheu aus der Bühnentaufe gehoben wurde. Richard Kirn bewunderte seinerzeit in seiner Rezension der Premiere den Mut, „dieses Stück voller Probleme“ an den Beginn einer neuen „Ära“ zu stellen. Doch Kolleks Spielplan befriedigte fortan nicht nur den Nachholbedarf des Publikums an weltliterarischen Stoffen, sondern auch das Verlangen des Publikums nach Heiterkeit. So etwa mit der Aufführung von Curt Götz’ Komödie „Ingeborg“, die allabendlich ausverkauft war. Kollek wußte spätestens da, daß sich der Bund mit der heiteren Muse lohnte. Kollek spielte „Theophanes“ von Theo Lingen, Benedettis „Zwei Dutzend Rosen“ mit Christl Pfeil und Lorenz Impekhoven und hatte nun den klassischen Kassenbeweis, daß der Mensch in seinen freien Stunden gern lacht.

Als das Haus einer Begradigung der Stadtplaner zum Opfer fiel, wechselte man auf die gegenüberliegende Straßenseite: Am 18. Dezember 1953 ging im Haus am Rossmarkt 11 der Vorhang für Jaques Devals „Geliebter Schatten“ auf: auf der Bühne standen u.a. Petra Peters, Irene von Meyendorff und der aus England zurückgekehrte, zum ersten Mal wieder in Deutschland auftretende Karl Lieven.

1963 endete der Mietvertrag im Haus am Rossmarkt 11 und wurde nicht verlängert. Erneut mußte der Standort gewechselt werden. Kollek zog in die Neue Mainzer Straße 18, in unmittelbare Nachbarschaft der Städtischen Bühnen, und firmierte nun unter Die Komödie. Am 20. Dezember 1963 hob sich für Samson Raphaelsons „Zauber der Jugend“ erstmals der Vorhang der Komödie. Der Name des Theaters war nun Kolleks Programm: „Wir wollen keine Problematik spielen und nicht durch literarischen Avantgardismus brillieren. Wir wollen nur besser spielen als jemals zuvor.“ Dazu holte Kollek beliebte Stars in sein Haus: Paul Dahlke, Gisela Uhlen, Lis Verhoeven, Erik Ode und viele andere. Auch der Stern manches Frankfurter Künstlers ging hier auf: Anneliese Telluren, Lotte Barthel und Wolfgang Bieger seien stellvertretend genannt.

1972 tritt – 28 Jahre jung – Claus Helmer in die Komödie ein. Zunächst fungierte er neben Helmut Kollek als mitverantwortlicher, seit 1975 als alleinverantwortlicher Direktor. Claus Helmer hatte sich genau überlegt, was es heißt, im Fernsehzeitalter mit einem Überangebot an Leichtkost ein auf Unterhaltsamkeit ausgerichtetes Unternehmen zu führen und die Bürde des täglichen Risikos als Hausherr eines Privattheaters auf sich zu nehmen. In den nun drei Jahrzehnten seiner Direktion hat er auf ebenso sympathische wie erfolgreiche Art klar gemacht, dass Kunst und Kommerz zusammengehen. Er hat der Komödie den Ruf als Frankfurts beliebteste, fröhlichste und vitalste Boulevardbühne gesichert. Viele beliebte Stars holte Helmer an seine Bühne: Gustav Fröhlich, Carola Stern, Hannelore Schroth, Gunther Philipp, Hanne Wieder,  Walter Giller und Eva Pflug seien genannt. Ob Anita Kupsch, Heinz Drache oder Claus Biederstaedt sie wissen ebenso gut, was sie vom Publikum der Komödie zu erwarten haben, wie die Zuschauer von ihnen.

1998 wurde das Haus an der Neuen Mainzer Straße 18 aus baulichen Gründen abgerissen, die Komödie stellte ihren Spielbetrieb ein, um ihn nach 16 monatiger Bauzeit an gleicher Stelle in einem modernen, größeren Haus wieder aufzunehmen. Auf über 1000 Quadratmetern hielt die neue Komödie Einzug und gab am 7. Oktober 1999 mit „Pension Schöller“ ihre Eröffnungsvorstellung. Mit von der Partie waren u.a. Helmut Oeser, Manfred Böhm, Dieter Schaad und Dagmar Hessenland.